Dr. Dieter Neitzert
Wir trauern um Dr. Dieter Neitzert

Das Institut für Historische Landesforschung trauert um Dr. Dieter Neitzert, der am 27. Juni 2026 verstorben ist.
Dieter Neitzert, geboren 1932, wirkte nach seinem Studium in Köln und Göttingen seit 1963 über viele Jahre an der Pädagogischen Hochschule Göttingen, an der er im Studiengang Lehramt an Gymnasien die Betreuung der Praktika übernahm und zuletzt als Akademischer Oberrat fachdidaktische Seminare unterrichtete, in denen er konsequent den Brückenschlag zwischen Fachwissenschaft und Vermittlung in der Schule forderte. Generationen von Lehramtsstudierenden wurden von ihm betreut und erinnern sich an seine Seminare. Dies setzte er fort, nachdem er im Jahr 1988 vom Fachbereich Erziehungswissenschaften an das Institut für Historische Landesforschung versetzt worden war. Nicht nur in seiner Zeit als Vorsitzender des Geschichtsvereins für Göttingen und Umgebung zwischen 1993 und 2004 förderte er die Verbindung zwischen Institut und Öffentlichkeit.
Die 1991 bei Ernst Schubert erarbeitete Dissertation "Die Stadt Göttingen führt eine Fehde 1485/86. Untersuchung zu einer Sozial- und Wirtschaftsgeschichte von Stadt und Umland", die in der Schriftenreihe des Instituts für Historische Landesforschung erschien, steht für Dieter Neitzerts Forschungsinteressen. Seine wissenschaftlichen Arbeiten, die den Mitarbeitenden des Instituts in den vergangenen Jahrzehnten immer ein Vorbild waren und über die er während der Bearbeitung regelmäßig das Gespräch suchte, zeichneten sich durch eine höchst gewissenhafte Recherche und einem Blick für das Detail aus. Noch 2019 publizierte er eine Monografie über die Boten der Stadt Göttingen, in der er es verstand, den Blick auf den einzelnen Menschen ebenso zu werfen, wie auf den Kommunikationsraum der Stadt als Ganzes. (Veröffentlichungsverzeichnis)
Bis zuletzt nutzte Dieter Neitzert seinen Arbeitsplatz im Institut und nahm regelmäßig am landeshistorischen Kolloquium teil. Noch vor einem Monat brachte er sich aktiv in die Aufarbeitung der Geschichte des Seminars für Mittlere und Neuere Geschichte ein und trug zur Erforschung des von ihm immer hochgeschätzten Historischen Colloquiums bei, eines in den Fünfziger-Jahren gegründeten selbstverwalteten Wohnheims von Studierenden der Geschichtswissenschaften.
Insbesondere den jungen Kolleginnen und Kollegen gegenüber war er immer zugewandt und begleitete ihre wissenschaftliche Arbeit mit Interesse und Hilfe. Die Gespräche über die Fallstricke mittelalterlicher Überlieferung, mit denen er uns als selbst neugierig Fragender zum Nachdenken brachte, werden uns ebenso sehr fehlen, wie der Plausch über Alltägliches und die Erfahrungen eines ereignisreichen langen Lebens. Die Lehren aus der Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus zu ziehen und für ein Nie Wieder zu arbeiten waren ihm ein großes Anliegen, das wir zu dem unseren machen.
Dieter Neitzert hinterlässt eine große Lücke am Institut für Historische Landesforschung.
Wir vermissen ihn sehr.