Akademische Festveranstaltung zu Ehren von
Prof. Dr. Martin Tamcke (1955-2024)
Am 4. Februar 2026 fand in der Aula der Georg-August-Universität Göttingen ein akademischer Festakt zum Gedenken an den am 2. November 2024 verstorbenen evangelischen Theologen Martin Tamcke statt. Zahlreiche Weggefährtinnen und Weggefährten, Kolleginnen und Kollegen, Studierende sowie Vertreterinnen und Vertreter kirchlicher und wissenschaftlicher Institutionen waren der Einladung gefolgt, um das wissenschaftliche und persönliche Wirken des Verstorbenen zu würdigen.
Die Veranstaltung stand im Zeichen der Erinnerung an einen Gelehrten, der über viele Jahre hinweg das akademische Leben der Universität und insbesondere die Forschung zur Geschichte und Gegenwart des Christentums im Nahen Osten nachhaltig geprägt hat. Zugleich bot der Festakt Gelegenheit, die vielfältigen internationalen und ökumenischen Beziehungen zu reflektieren, die mit seinem Namen verbunden sind.
Nach einer musikalischen Eröffnung begann die Veranstaltung mit mehreren Grußworten. Den Auftakt machte Prof. Dr. Reinhard Müller, Dekan der Theologischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen. In seinem Beitrag würdigte er die wissenschaftliche Laufbahn von Tamcke sowie dessen langjähriges Engagement für die Göttinger Theologie. Dabei hob er insbesondere Tamckes Rolle als akademischer Lehrer und Initiator des Studiengangs Intercultural Theology hervor.
Es folgten kirchliche Grußworte aus verschiedenen orientalischen Kirchen, die die ökumenische Dimension des Wirkens des Verstorbenen unterstrichen. Anba Damian, Metropolit der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland, erinnerte an die langjährige Zusammenarbeit mit Martin Tamcke sowie an dessen besonderes Interesse an der Geschichte und Gegenwart der orientalischen Kirchen. Er würdigte Tamcke als Wissenschaftler, der nicht nur akademisch über diese Traditionen gearbeitet habe, sondern auch persönlich enge Beziehungen zu ihren Gemeinschaften gepflegt habe.
Auch Mor Philoxenus Mattias Nayis, Metropolit der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland, der zwar nicht persönlich anwesend sein konnte, aber ein schriftliches Grußwort geschickt hat, das von Dr. Gabriel Rabo verlesen wurde, stellte die Bedeutung von Tamckes Engagement für den interkirchlichen Dialog hervor. Er betonte, dass dessen Forschung und persönliche Kontakte wesentlich dazu beigetragen hätten, die Geschichte und Spiritualität der syrischen Tradition in akademischen und kirchlichen Kontexten stärker sichtbar zu machen.
Nach einem weiteren musikalischen Beitrag folgte ein wissenschaftlicher Vortrag von Prof. Dr. Jennifer Wasmuth, Inhaberin des Lehrstuhls für Ökumenische Theologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Unter dem Titel „Intercultural Hermeneutics as a Research Agenda. Highlights of Martin Tamcke's Academic Work“ stellte sie zentrale Aspekte von Tamckes wissenschaftlichem Werk vor. Dabei zeichnete sie nach, wie dessen Forschung zur interkulturellen Hermeneutik neue Perspektiven für das Verständnis christlicher Traditionen im globalen Kontext eröffnet habe. Besonders hervorgehoben wurde seine Fähigkeit, philologische, historische und kulturwissenschaftliche Ansätze miteinander zu verbinden und dadurch die Erforschung der orientalischen Kirchen nachhaltig zu prägen.
Den Hauptvortrag des Abends hielt Markus Meckel, ehemaliger Außenminister der DDR und langjähriger Weggefährte Tamckes. In seinem Beitrag erinnerte er an persönliche Begegnungen und gemeinsame Erfahrungen im internationalen Dialog zwischen Kirchen, Wissenschaft und Politik. Er würdigte Tamcke als einen Gelehrten, der akademische Arbeit stets mit gesellschaftlicher Verantwortung verbunden habe und dessen Interesse an kultureller Verständigung weit über den universitären Kontext hinausgewirkt habe.
Zwischen den Redebeiträgen wurde die Veranstaltung durch musikalische Beiträge eines Chores gerahmt, der aus ehemaligen Schülern von Tamcke bestand. Die eindrücklichen Stücke orthodoxer Tradition verliehen dem Gedenken einen würdevollen Charakter.
Im Anschluss an den Festakt wurde von Marc Arwed Rutke, Koordinator im Studiengang Eurocultures, eine Montage von Aufnahmen Tamckes aus seiner langjährigen Mitarbeit im Studiengang präsentiert (vgl. https://www.youtube.com/watch?v=L0GQZGWW6ek).
Im Anschluss an den offiziellen Teil der Veranstaltung fand ein Empfang statt. In diesem Rahmen wurde auch eine Festschrift zu Ehren von Tamcke vorgestellt. Präsentiert wurde sie von den Herausgebern PD Dr. Cătălin Ștefan Popa und Dr. Ali B. Langroudi, die kurz in die Entstehung des Bandes einführten und die Vielfalt der darin versammelten Beiträge hervorhoben. Die Festschrift versammelt wissenschaftliche Aufsätze von Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern und Disziplinen und spiegelt damit die internationale Vernetzung wider, die Tamckes Arbeit über viele Jahre hinweg geprägt hat.
Der akademische Festakt machte deutlich, dass das Wirken von Martin Tamcke weit über die Grenzen einer einzelnen Disziplin hinausreichte. Seine Forschung verband Theologie, Religionswissenschaft, Geschichte und Kulturwissenschaft und eröffnete neue Perspektiven für die Erforschung des Christentums im Nahen Osten und seiner globalen Verflechtungen. Zugleich wurde in den Beiträgen immer wieder seine besondere Fähigkeit hervorgehoben, Menschen aus unterschiedlichen kulturellen und kirchlichen Kontexten miteinander ins Gespräch zu bringen.
Die Veranstaltung bot daher nicht nur Raum für Trauer und Erinnerung, sondern auch für Dankbarkeit gegenüber einem Wissenschaftler, der das akademische Leben der Georg-August-Universität Göttingen und den internationalen theologischen Dialog über viele Jahre hinweg entscheidend geprägt hat. Viele der von ihm initiierten Projekte und Kooperationen werden von Kolleginnen, Kollegen und ehemaligen Studierenden weitergeführt und lassen sein wissenschaftliches Vermächtnis auch in Zukunft fortwirken.
Die Theologische Fakultät dankt der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers und der Evangelischen Kirche in Deutschland für die großzügige finanzielle Unterstützung des Festaktes, Frau Daniela Barton für die vorzügliche Organisation des Festaktes und den Hilfskräften des Lehrstuhls für Ökumenische Theologie für die tatkräftige Unterstützung!
Das Video vom Festakt ist abrufbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=rtx_jP8VoCI
Göttingen, den 11. März 2026
Prof. Dr. Jennifer Wasmuth